Wie man einen Film pitcht (aber richtig)
Wednesday, March 2nd, 2011Das macht gerade im internet die Runde, und es ist großartig.
Mir hat noch nie jemand ein Projekt so gepitcht. Habt ihr das schon mal versucht?
19.10.’11
Meine Schwester
20.15h, ORF2
Das macht gerade im internet die Runde, und es ist großartig.
Mir hat noch nie jemand ein Projekt so gepitcht. Habt ihr das schon mal versucht?
Morgen früh fliege ich nach Berlin und komme erst Mittwoch nachts zurück. Wegen des zu erwartenden Berlinalestresses werde ich wohl nicht dazu kommen hier zu posten. Aber während ich mich unter die ganzen Filmindustriemenschen mische, möchte ich euch auf eine sehr interessante Sache verweisen:
Mir fällt auf, dass da heimlich eine ganz neue Generation an FilmemacherInnen heranwächst. Und zwar junge Menschen die manchmal gar keine klasssische Filmausbildung haben, sondern sich mit einer digitalen Spiegelreflexkamera bewaffnet und einer sehr starken Online-Community im Rücken auf den Weg machen Filme zu schreiben, zu drehen, zu schneiden und auf neuen Vertriebswegen zu verbreiten.
Ich finde das großartig und bin sehr neugierig was da noch kommt. Nino Leitner ist ein Pionier auf diesem Gebiet und verbindet auf seinem lesenswerten Weblog die vielen technischen Aspekte dieser Filmarbeit mit den inhaltlichen. Jetzt hat er Gregor Schmidinger eingeladen auf seinem Blog eine Artikelserie über einen seiner Kurzfilme zu schreiben, der bereits eine Million Hits auf Youtube hatte.
Gerade wenn man sich beruflich viel in der etablierten Film- und Fernsehindustrie bewegt finde ich es wichtig über den eigenen Tellerrand zu schauen. Ich bin schon gespannt was Gregor auf Ninos Blog über das Storytelling und den Vertrieb seines Films schreiben wird. Heute ist der erste Beitrag erschienen. Also, klickt hin, lest, kommentiert. Wir lesen uns nächste Woche wieder.
Wer sich wirklich gründlich auf die Oscar Verleihung am 27. Februar vorbereiten möchte, kann sich hier viele der nominierten Drehbücher herunterladen (inklusive die von Filmen die letztlich nicht fürs Drehbuch oder gar nicht nominiert wurden).
Weitere Drehbücher gibt es nach Regisseuren geordnet hier zum Download:
Darren Aronofsky (inklusive THE BLACK SWAN in einer etwas früheren Drehbuchfassung als die von dem Link oben)
Charlie Kaufmann
Guillermo Del Toro
Tim Burton
Coen Brothers
Christopher Nolan
Also los, hebt die Drehbuchschätze!
Irgendwas ist mit SOCIAL NETWORK, dass dieser Film immer wieder zu mir zurückfindet. Aktuell in diesem Artikel. Dort gibt es ein Interview mit Aaron Sorkin, in dem er über die Recherche und Entstehung des Drehbuchs berichtet.
Auf die Frage wie er zu dem Projekt kam, meinte er, dass er ein Konzept(!) für ein Buch über den Facebookgründer Mark Zuckerberg in die Hände bekam, zu lesen begann und nach Seite drei sofort zusagte:
…it was because it’s set against this very modern backdrop of this very modern profession that I didn’t know very much about at all. It was a classic story of friendship, loyalty, betrayal, power, jealousy and class: things that Shakespeare and Chayefsky wrote about yet none of those guys was available so I have it.
Allein das ist schon spannend: Die Fähigkeit den emotionalen Kern der Geschichte zu erkennen, wenn man durch die moderne Oberfläche in die Erzählung hinein schaut.
Und über die unterschiedlichen ZEitebenen, die durch die Gerichtsverhandlungen bestimmt werden und dadurch ermöglichen drei Perspektiven auf dieselbe Sache zu zeigen:
I really like courtroom dramas that begin with you being convinced of somebody’s guilt or innocence, and you change your mind several times along the way. So I thought: I’ll use these two depositions as the pillars to tell the story. I wish I would have arrived at those ideas quicker. It took me a long time to get there. Other writers, better writers, understand immediately that that’s how you’re supposed to do that. So it just takes me a while to get there.
Und so weiter. Es ist wirklich lesenswert. Wer noch mehr über Aaron Sorkin und seinen Prozess des Schreibens erfahren will sollte außerdem diesen Artikel lesen.
Das beste daran ist aber, dass am Anfang des Artikels ein Link ist über den man sich das Drehbuch in all seiner 164 Seiten langen Schönheit herunterladen kann. Ich habe gerade nur mal den Anfang überflogen und mich gleich festgelesen. Es ist wirklich spannend wie viele Regeln in dem Buch gebrochen werden, angefangen von dem im Grunde wenig symathischen Antihelden als Protagonisten über seitenlange Dialogszenen ohne große Aktionen, wilde Zeitsprünge und so weiter. Das funktioniert natürlich aber nur weil Aaron Sorkin seine Werkzeuge absolut im Griff hat und noch dazu genug Ideen und Kreativität um aus nervigen Typen und langweiligen Aktionen (wie: in Computerbildschirme starren, Gerichtsverhanldungen in Sitzungsräumen etc.) komplexe und interessante Charaktere und Situationen zu machen, die das Ausmaß einer griechischen Tragödie erreichen. Wirklich lesenswert.
In der New York Times kann man kurze Ausschnitte aus vier Drehbüchern lesen die gute Chancen haben für den Oscar nominiert zu werden. Ich habe von den vier Filmen bisher nur SOCIAL NETWORK gesehen. Der kurze Dialogauszug stammt von der Anfangsszene des Films, und wenn ich das jetzt nachlese wird mir noch klarer wie gut das geschrieben ist: Dieses Aneinandervorbeireden, wie die Situation immer unangenehmer wird und der Protagonist nichts davon merkt, weil er so versponnen ist in sich und seiner Welt. Nebenbei ist es auch interessant, wie Aaron Sorkin am Anfang die Figuren beschreibt, zum Beispiel Erica:
Erica, also 19, is Mark’s date. She has a girl-next-door face that makes her easy to fall for. At this point in the conversation she already knows that she’d rather not be there, and her politeness is about to be tested.
Das gibt einem eine kleine Ahnung für die Atmosphäre und die Entwicklung der Szene bevor sie überhaupt richtig begonnen hat.
Die weiteren Drehbuchausschnitte stammen aus TRUE GRIT, RABBIT HOLE und THE KING’S SPEECH, wobei ich die Szene aus letzterem am Spannendsten finde.
Die New York Times hat 14 SchauspielerInnen zu einem Fotoshoot gebeten. Das Besondere daran: Es waren keine normalen Fotos, sondern kurze Filme. Und weil es durch die Bank gute SchauspielerInnen sind, schaut man ihnen auch sehr gerne bei den emotionalen Ausbrüchen zu.
Meine Favoriten: Chloe Moretz, James Franco und Michael Douglas.
Auf Salon.com hat sich Matt Zoller die seiner Meinung nach besten Filmszenen des Jahres 2010 herausgepickt. Das Tolle daran ist dass er sie nicht nur auflistet sondern dass man jede Szene samt Analyse anschauen kann. Einige Filme sind bei uns noch nicht angelaufen, aber ich habe mich trotzdem den potentiellen Spoilern ausgesetzt weil diese Videoessays einfach zu gut gemacht sind.
Hier zwei Beispiele:
Social Network: Diese Szene ist mir auch im Gedächtnis geblieben, nachdem ich den Film gesehen habe. Und zwar nicht nur wegen der analysierten inhaltlichen Details, sondern auch wegen der Visualisierung. Der Tilt-Shift-Effekt lässt die ganze Szene wie aus dem Spielzeugland wirken, und genau das ist auch die Kernaussage: Spiel vs. Ernst.
Das andere Beispiel ist aus einem Film, den ich nicht kenne. Beziehungsweise kenne ich das Original, aber die Neuverfilmung nicht. Es ist “Let the right one in”, der mich in der schwedischen Fassung begeistert hat. Die amerikanische Version habe ich noch nicht gesehen, aber dieser Ausschnitt macht mir durchaus Lust.
Und hier doch noch ein dritter Ausschnitt eines Films den ich nicht kenne, aber der sehr gut zu sein scheint: “Dogtooth” von Giorgos Lanthimos:
Aber seht euch doch alle Ausschnitte an, es lohnt sich.
Vor einiger Zeit habe ich in die Runde gefragt, ob jemand deutschsprachige Weblogs über das Drehbuchschreiben kennt. Und jetzt finde ich eines, und ich kenne sogar die Bloggerin. Und das andere schreibt jemand, der auch hier in Österreich lebt. Die Welt ist wirklich ein Dorf, auch im Virtuellen.
Flix ist ein Weblog über Drehbuch & Dramaturgie, Film & TV. Wir interessieren uns teilweise für ähnliche Dinge (amerikanische Serien!), und Flix bietet noch dazu einen interessanten Podcast. Zum Beispiel einen, in dem zwei Autoren die ich auch beide kenne mit der Bloggerin Angelika Unterholzner über MAD MEN diskutieren.
Außerdem schreibt Gregor Schmidleitner auf seinem Blog Breaking In interessante Artikel über seine Erfahrungen mit dem Drehbuchschreiben. Gregor macht zur Zeit einen Online Drehbuchkurs an der UCLA und berichtet nicht nur darüber in seinem Weblog.
Bei I Heart Pluto gibt es bis zum 24.12. jeden Tag einen Kurzfilm anzusehen. Quasi Adventkalender. Heute ist es ein sehr schöner über unsichtbare Freunde.
Es ist hier gerade etwas hektisch, weil ich morgen früh nach Belgien fliege, um mit Brosens & Woodworth und Peter Krüger an neuen Projekten zu arbeiten, deswegen kann ich euch nur schnell mit einem Link versorgen.
Hier gibt es eine Liste mit den “30 tollen Momenten in furchtbaren Filmen”. Ich picke einen heraus, und zwar den aus I AM LEGEND. Will Smith steht als letzter Mensch im postapokalyptischen New York in einer leeren Videothek und spricht mit Schaufensterpuppen, um irgendeine Form von Normalität für sich aufrecht zu erhalten. Ich hätte letztlich am liebsten einen kleinen Arthousefilm nur über das gesehen: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wie geht also der letzte seiner Art mit dem Alleinsein um, wie schützt er sich vor dem Durchdrehen, was sind wichtige Alltagsrituale, welche werden angesichts der Situation absurd, wie gibt er seinem Leben einen Sinn? Das hätte mich am meisten interessiert. Die ganzen schlecht animierten Zombies hätte man getrost weglassen können.
Ein Film fehlt aber auf der Liste, und zwar CAST AWAY mit Tom Hanks. Ich gebe zu: Ich fand den ganzen zweiten Akt auf der Insel völlig uninteressant. Wirklich berührt hat mich ein Detail am Ende: Die Rückkehr des Verschollenen wird gefeiert, und was gibt es am schicken Buffet? Sushi. Für einen Mann, der jahrelang auf einer einsamen Insel rohen (und später gebratenen) Fisch gegessen hat um nicht zu verhungern. Der Film, den ich gerne gesehen hätte wäre der eines Heimkehrers, der durch eine kathartische Verwandlung gegangen ist und sich nicht mehr in die alte Welt einfügen kann. Die Fremdheit im Gewohnten. Die Ehefrau, die inzwischen geheiratet und ein Kind bekommen hat. Und so weiter. (Kann bitte wer dieses Sequel drehen, als kleines Personal Drama, nur für mich? Danke, das wäre nett.)
Und was sind eure schrecklichen Filme mit tollen Momenten drin?