Heath Ledger spielt auf eine Weise, dass man sich fürchtet. Und zwar wirklich fürchtet. Und Christian Bale ist sexy. Und die Geschichte ist kompliziert, und sie hat eine Message. Nun ja, etwas zu viel davon möglicherweise, aber immerhin ist das emotionale Thema ein starkes: Die Moralität des Einzelnen, in allen Variationen. Das macht den Film sehr heutig, sehr verzweifelt und düster. Aus jeder Ecke springt einen die Erpressung und die Ausweglosigkeit an. Aber ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht genau, was ich über den Film schreiben soll. Ich fühle mich noch immer überfordert und werde ihn wohl nochmal anschauen, zum genießen. Dann melde ich mich wieder.
In der Zwischenzeit hat Christian Fuchs in diesem Artikel wieder einmal so ziemlich alles gesagt, was es zu diesem Film zu sagen gibt.
Man soll ja immer mal was Neues ausprobieren. Sagt man. Na gut, dachte ich. Es ist ja nämlich so, dass ich Splatterfilme, Horrorfilme, Zombiefilme und deren sämtliche Derivate meide, weil ich mich so leicht erschrecke und dann am Heimweg und in der Wohnung immer so eigenartige Geräusche höre. Nun ja.
Aber jetzt gab es einen Anlass, und zwar den DVD Abend mit Freunden, bei dem “Shaun Of The Dead” auf dem Programm stand. Und da das ja primär eine Komödie ist, dachte ich: Versuchen wirs mal. Und siehe da – was für ein hervorragender Film. Der Humor, der Look, aber vor allem das Drehbuch – sehr gut. Ein paar Mal habe ich mich zur Belustigung der Freunde natürlich erschrocken, aber letzten Endes war es halb so wild und eine gute Unterhaltung. Wenn man übrigens etwas über das Prinzip von “Planting and Payoff” beim Drehbuchschreiben lernen möchte, dann eignet sich der Film ganz hervorragend dafür.
Meine Tante musste sich die Platte “S.O.S” noch heimlich anhören, weil sich das in den links-intellektuellen Kreisen nicht schickte. Ich bin ja zum Glück ein postmodernes Kind der Popkultur, da ist das alles kein Problem mehr. Aber zurück zum Film.
Ich weiß nicht, ob diese Dialoge auf einer Musicalbühne funktionieren, aber im Film taten sie mir anfangs ob ihrer Schlichtheit ordentlich weh. Und es fällt einem dadurch so richtig schön auf, wie man von einem dramaturgischen Schlagloch ins nächste plumpst. Erst als der Film in einer der ersten guten Songsequenzen richtig abhebt (Meryl Streep singt “Money, Money Money”), da begann es mir Spaß zu machen. Aber dazwischen immer wieder: Uninspiriert as hell. Mir ist ja klar, dass man daraus keine überdrehte Sache wie “Hairspray” oder “Rocky Horror Picture Show” machen kann, denn wir haben es hier ja mit einem netten Familienfilm zu tun, aber ein bisschen mehr Mut und Schrägheit wäre wirklich nicht schlecht gewesen. Das Prinzip des griechischen Chors zum Beispiel – ach, was hätte man damit noch alles anstellen können. Und so weiter. Finde ich.
Und im übrigen beantrage ich den Oscar für die beste Nebenrolle selbstverständlich für Stellan Skarsgård, der durch einen langen, ernsthaften und wortlosen Blick in der Mitte des Films seiner Figur viel mehr Tiefe verleiht, als dafür vermutlich vorgesehen war. Und wer sich überzeugen will, dass Pierce Brosnan wirklich gar nicht singen kann, es aber einfach trotzdem tut, dem kann man Mamma Mia! ruhig empfehlen. (Maryl Streep kann übrigens singen, und sie versucht die uninspirierten Löcher fabelhaft zu überbrücken.)
Will und Lee sind ein ungleiches Paar – der zurückhaltende und behütet erzogene brave Sohn, und der laute Schul-Rowdy, der tut und lässt was er will. Auf dem Schulflur begegnen sie sich, und was als Zwangsgemeinschaft beginnt, kippt im Laufe der Geschichte in eine Freundschaft. Denn beide Kinder haben dieselbe Mission – sie wollen ihre eigene Version von “Rambo” drehen.
Eigentlich ist “Son Of Rambow” ein coming of age Film in einer Mischung aus “Abgedreht/ Be Kind Rewind” und “Wer früher stirbt ist länger tot”, was den Tonfall betrifft. Die Geschichte ist klassisch erzählt, packt aber viel Phantasie, schräge Momente und nicht zuletzt Nostalgie hinein, denn das ganze spielt in den 80er Jahren. Und am Ende war ich ganz gerührt. Anschauen!
M. Night Shyamalan gilt ja gemeinhin als der Regisseur von Horrorfilmen mit einem Twist. Das ist schwer loszuwerden. Und so sitzte ich in “The Happening” und warte die ganze Zeit auf einen Twist, aber da kommt nicht wirklich einer. Clever für die Karriere eines Regisseurs, der hart daran arbeitet von seinem Image als “Twister” wegzukommen. Aber die Erwartung ist eine Stolperfalle, und ich bin blöderweise hineingefallen. Und war deshalb ein wenig enttäuscht.
Hier übrigens ein erhellender Artikel zum Problem des Herrn Shyamalan.
Aber zurück zum Film: Ich habe gerade das Budget gegoogelt: ca. 50 Millionen $. Einspielergebnisse des ersten Wochenendes: ca. 30 Millionen $. Da hätte sich das Studio vielleicht etwas mehr erwartet, aber trotzdem ist das nicht so schlecht, finde ich. Stellt sich nun aber die Frage, was an dem Film 50 Millionen $ kostet. Denn das ist ja gerade das Gute: Ein Katastrophenfilm, der extrem handgemacht daherkommt, ohne große CGI Effekte, sondern alles inszeniert bzw. mit einfachen Mitteln hergestellt. Das hat einen großen Reiz und ist ziemlich erholsam. (Conclusio: Das Geld floss also in die Schauspielergagen, vermutlich?). Trotzdem blieb für mich am Ende die Frage: Na und? Das wars jetzt? Und nachvollziehen kann ich die Vorgänge am Schluss auch nicht so 100%ig, ich hätte da anders gehandelt als die Figuren. Aber über das Ende kann ich hier wiederum nicht schreiben, man will ja niemandem den Kinobesuch verderben. Deswegen müssen Sie jetzt ins Kino gehen und sich das selbst ansehen, wenn Sie das möchten.
(Fazit: Es ist wirklich schwer, etwas über einen sehr aktuellen Kinofilm zu schreiben, ohne den Inhalt zu verraten.)
P.S.: For your consideration: The M. Night Shyamalan Twist Generator!
Jetzt mal Italien. Nanni Morettis Film “Il Caimano” (dt. “Der Italiener”) beginnt zunächst ganz harmlos: Ein B-Movie Produzent will einen großen historischen Film drehen. Das Projekt platzt, und eher zufällig setzt er sich für einen Film einer jungen Autorenfilmerin ein. Und entdeckt zu spät, dass das Drehbuch höchst politisch ist und in Italien zu einem Aufstand führen könnte.
Dieser Film schleicht sich irgendwie seltsam voran. Genauso wie der Produzent erst im Laufe der Zeit registriert, was er da macht, genauso manifestiert sich beim Ansehen erst nach und nach, dass man es hier mit etwas wirklich Bedeutsamen zu tun hat. Zumindest ging es mir so. Bis mich die Schärfe und Härte des Ganzen dann in den letzten (grandiosen!) zehn Minuten mit voller Wucht getroffen hat. Auf eine gute Weise.
(Übrigens ist die Geschichte dramaturgisch sehr sauber und effizient gebaut. Noch ein Grund mehr, sich den Film anzuschauen.)
“Irina Palm” fühlt sich irgendwie karg an. Im Sinn von: Aufs Wesentliche beschränkt. Was sehr angenehm ist. Sicher hätte man hier und da die Konflikte hochgeschraubt, oder sich nicht so sehr nur auf den Subtext verlassen. Oder viel schneller geschnitten. Aber dass das nicht passiert, das macht den Film aus. Und dass es seltsamerweise und zur Abwechslung ein Rotlichmilieu zeigt, bei dem man nicht sofort “Bonjour tristesse!” ausrufen möchte. Natürlich ist das alles keine Freude, diese Nachtclubangelegenheit, aber es wird eben nicht ausgestellt, wie das sonst oft der Fall ist. Auch das ist angenehm.
Und ach, Marianne Faithfull.
(”First time is always most embarrassing, but after that you wank for England.”)
Hier gibt es kein Fußballmatch, sondern ein DVD Europamatch mit meinen noch immer nicht angeschauten Filmen. Beginnend mit Großbritannien (obwohl – die Engländer sind ja heuer gar nicht bei der EM. Aber egal.)
“This Is England” ist hart. Und liebevoll. Gleichzeitig. Und intelligent gemacht, denn das Drama im Kleinen (kleiner Junge wird im Skinhead-Milieu erwachsen) mit dem Drama im Großen (Falklandkrieg) zu verknüpfen ergibt viel Sinn und erstaunlich wenig Pathos. Und wie der Film trotz des dokumentarischen Looks nicht gleich in ein zu sprödes Kitchen Sink Drama rutscht, und wie ernsthaft und liebevoll hier mit den Figuren umgegangen wird, das ist schon beachtlich.
Die Struktur ist übrigens ganz klassisch, und die Geschichte im Grunde sehr simpel. Dafür ist Platz für viele intensive und genaue Figurenmomente. Man kann immer nachvollziehen, was hier in den Figuren vor sich geht, obwohl man es immer wieder nicht gut findet, und gleichzeitig knallt einem auch niemand den belehrenden Zeigefinger vor die Nase. Vielleicht kann man das “bedächtig” nennen. Der Film geht bedächtig und sorgsam mit der Geschichte, den Figuren und den komplexen Themen um. Und das ist ja schon paradox, weil die Situationen vor allem in der zweiten Hälfte oft so dicht und brutal waren, dass es für mich unangenehm zum Zuschauen war.