Ladies and Gentlemen, it’s a wrap! - Die Viennale 2011 ist für mich zu Ende.
Heuer habe ich bewusst auf die Festivalblockbuster gesetzt und bin in den meisten Fällen nicht enttäuscht worden. Hätte ich noch mehr Zeit und weniger Arbeit gehabt hätte ich mir noch einige unbekannte Filme herausgepickt und die Angelegenheit wäre dann wahrscheinlich noch interessanter geworden.
Aber auch so blieb viel Beeindruckendes hängen. Auf der Wuchtigkeits- und Atemlosigkeitsskala steht MELANCHOLIA ganz weit oben, dicht gefolgt von DRIVE. Enttäuschend fand ich nach dem großen Hype hingegen TAKE SHELTER. Am meisten berührt hat mich ELDFJALL, und auch THE FUTURE mochte ich sehr gerne. Und die bemerkenswerteste (Kurz-)Doku war für mich DIE FÜHRUNG.
Ich hatte heuer große Freude im wahnwitzigen Strudel von Kino, Arbeiten, Essen und Schlafen, und ich hoffe ihr habt gerne mitgelesen. Außerdem werde ich dieses Blog weiter befüllen; es macht mir nämlich wieder Spaß, und das muss ich gleich ausnutzen. Die Schlagzahl der Einträge werde ich zwar so nicht halten können, aber eine gewisse Regelmäßigkeit wird sich einstellen, versprochen.
Ich habe ja so eine Vorliebe für Skandinavien. Und für die Filme die von dort kommen genauso. Nur bekommt man die leider hier bei uns so selten zu sehen. Deswegen nutze ich jede Gelegenheit sie im Kino zu erwischen, und mein privater Abschlussfilm der diesjährigen Viennale wird der isländische Film ELDFJALL. Das heißt “Vulkan” sagt mir das Programmheft.
Aber um einen Vulkan geht es wenn dann eher metaphorisch. Wir lernen Hannes kennen. Er war 37 Jahre lang Schulwart und geht jetzt in Pension. Daheim ist er grantig, man merkt: Er fühlt sich nicht wohl in seiner Haut, weiß nicht wohin mit sich. Das spüren auch seine Frau und seine Kinder. Hannes kämpft gegen die Leere in sich bis er sich einen Ruck gibt und sich zu ändern beginnt. Und genau dann macht das Schicksal was es will (und das ist überhaupt nicht das was er will).
Der Film wirkt einerseits sehr “klein”, weil die Geschichte so simpel ist. Und gleichzeitig ist er emotional so groß wie er nur sein kann. Ich kippe völlig in die Geschichte hinein, ich leide mit, und das obwohl der Film so wortkarg ist. Aber die Bilder die der Regisseur Rúnar Rúnarsson anstelle vieler Worte findet treffen den Punkt immer wieder so genau dass ich nicht auskann.
Dramaturgisch lässt sich das auch ein wenig dadurch erklären dass es genug gut platzierte Echoszenen gibt, die zwar den Plot nicht vorantreiben aber einen die Emotion der Figur ganz genau erfassen lassen ohne aufdringlich und kitschig zu werden. Es ist eifach nur berührend und traurig und schön und sehr wahrhaftig. Randbemerkung: In der Beschreibung steht dass das ein Debütfilm ist. Da freue ich mich jetzt schon auf alles was von dem Regisseur noch kommen wird.
MELANCHOLIA und DRIVE haben mir mit ihrer Wucht den Atem geraubt. ELDFJALL hat mich am Ende zum Weinen gebracht. Und dafür bin ich sehr dankbar.
Jetzt zeigt die Viennale (wie auch früher schon manchmal) Fernsehen auf der großen Leinwand. Aber nicht irgendein Fernsehen, sondern die fünfteilige HBO Miniserie MILDRED PIERCE. Ein period piece aus den 1930er Jahren. Mit Kate Winslet. Muss ich sehen. Also zumindest die ersten beiden Teile, der Rest des Tages ist der Arbeit vorbehalten.
Es geht um Mildred, die Mutter zweier Kinder. Gleich am Anfang geht die Ehe mit dem arbeitslosen fremdgehenden Mann in Brüche, sie bleibt alleine mit den beiden Kindern zurück und braucht einen Job. Was in der wirtschaftskrisengebeutelten Zeit schwierig ist. Obwohl sie das nicht will (Standesdünkel) nimmt sie einen Job an der weit unter ihrem Niveau liegt. Aber das eigentlich interessante ist wie Kate Winslet diese Figur spielt. Tief drinnen in ihr ist ein Ressentiment, ein Freiheitswillen, der sich nicht unterkriegen lässt. Das bringt sie in unmögliche Situationen, und auch in Konflikte.
Vieles daran ist ungeahnt heutig: Die ökonomischen Zwänge, der Druck der damals wie heute auf einer alleinerziehenden Mutter lastet, die Vorwürfe, denen sie sich gegenüber ihrer Familie aussetzt wenn sie sich selbst auch einmal in den Mittelpunkt stellt und nicht nur ihre Mutterrolle.
Aber das ist nicht das einzige was mich an dem Film gefangen nimmt. Irgendwie konnte ich vergessen dass ich da im Jahr 2011 in einem Kino in Wien sitze. Ich tauche völlig ein in diese Geschichte, in die Konflikte, in die Kostüme, in die Zeit. So sehr dass ich bedauere heute keine Zeit für die restlichen drei Teile zu haben. Was da genau mit mir passiert ist weiß ich (noch) nicht. Ich kann nur sagen dass es ein großartiges Erlebnis war. Und dass ich glücklich bin dass Fernsehen heutzutage so etwas leisten kann. Das golden age of television, wie es in den letzten Jahren öfters heißt, ist in vollem Gange und ich bin froh darüber es erleben zu dürfen.
Oh nein! Jetzt ist er doch eingetreten, der von mir so gefürchtete “BLACK SWAN Effekt” * . Alle meine Freunde haben auf Facebook und in ihren Rezensionen geschwärmt und gesagt man möge sich doch bitte unbedingt die zweite Viennale-Vorstellung von TAKE SHELTER anschauen. Mir hatte der Trailer gefallen, deswegen war die Vorfreude groß. Obwohl ich normalerweise ein Hosenschisser bin was Psychohorror betrifft und überhaupt Horror, Mystery und alles was zum Fürchten ist.
Und dann sehe ich da einen Film der sich ärgerlicherweise nicht entscheiden kann was er nun sein will: Ein Katastrophenhorrormysteryfilm? Oder ein Personal Drama über einen psychisch kranken Menschen (bzw. über die psychische Krankheit), was in der zweiten Hälfte des Films bedient wird, inklusive ein wenig Sozialkritik?
So ein Genremix funktioniert ja nur ganz selten und für mich hat das hier nicht funktioniert. Mir waren außerdem die Metaphern und damit auch die Vermittlung eines Anliegens zu vordergründig (Ein Mann baut einen Bunker um seine Familie zu schützen, und man merkt sofort: Das hat mit den in den Tiefen seiner Psyche sitzenden Ängsten zu tun und er muss sich seiner Krankheit stellen – naja).
Wobei ich sagen muss dass es eine Freude ist Michael Shannon beim Spielen zuzusehen. Der Mann ist wirklich ein hervorragender Schauspieler, und wegen ihm sollte man sich den Film dann doch anschauen. Wegen der Narration aber weniger, finde ich.
Achso: Ganz am Ende, also quasi Epilog, da gibt es dann noch so einen Twist den ich nicht verstanden habe. Vielleicht kann mir das mal wer beizeiten erklären, wenn es keine Umstände macht. (Aber lieber per Mail, hier will ich es weitgehend spoilerfrei halten.) Danke im Voraus.
———– * “BLACK SWAN Effekt” = Alle Freunde die bereits Screener bekommen haben oder in Pressevorführungen waren schwärmen über einen gehypten Film. Ich gehe dann ins Kino und bin enttäuscht. So geschehen bei BLACK SWAN.
Ich sehe unabsichtlich schon wieder einen Film von Ben Rivers. Und dieses Mal gefällt er mir richtig gut, nachdem ich die beiden davorrelativ gut gefunden habe.
In TWO YEARS AT SEA lernen wir einen Mann kennen der sehr “entrisch” lebt, wie wir hier in Österreich sagen würden. Er ist der einzige Mensch den wir in den ganzen 86 Minuten zu sehen bekommen. Der einzige Hinweis auf Kontakt zur Außenwelt sind Fotos, die einzelne Sequenzen voneinander trennen. Im Laufe der Zeit entsteht durch die körnigen Schwarzweißbilder eine Stimmung wie in einem zeitlosen postapokalyptischen Szenario, in dem der letzte Mensch auf Erden mit einer beneidenswerten Bestimmtheit vor sich hin wurschtelt, dabei surreale Dinge tut und immer wieder unabsichtlich in eine Poesie abgleitet.
Ich mochte den Film wirklich gerne, auch wenn er langsam ist und oft nichts passiert. Aber ich glaube meine Affinität zu Ben Rivers’ Filmen hat noch einen anderen Grund: Er schafft es reale Situationen ins Zeitlose zu transferieren und dem Alltäglichen eine Magie einzuhauchen. Plötzlich befindet man sich nicht mehr in einer Fabrik oder in einem abgelegenen Gebäude am Land, sondern in einer Parallelwelt mit ganz eigenen Ritualen die auch hundert Jahre in der Zukunft oder in der Vergangenheit sein könnte. Und das ist ein Thema das mich persönlich schon lange umtreibt – dass sich das Menschsein über Jahrtausende kaum geändert hat, ganz tief drinnen. Das Äußere sieht anders aus, das Innere ist identisch. Ben Rivers rückt das in die Sichtbarkeit, und das gefällt mir ausgesprochen gut.
STILLLEBEN packt ein schweres Thema an. Es geht um Missbrauchsgedanken eines Vaters und die in Hilflosigkeit zerfallende Familie nachdem diese Gedanken ans Licht kommen. Mit den schweren Themen ist STILLLEBEN in guter österreichischer Filmgesellschaft, nachdem kürzlich MICHAEL und ATMEN angelaufen sind.
Und auch dieser Film beobachtet mit wenigen Erklärungen die Abgründen der handelnden Figuren. Und er findet zu einem überraschenden Finale, das mir sehr gut gefallen hat. (Was das ist erzähle ich hier nicht, ich will nicht spoilen.)
Trotzdem konnte mich der Film dann doch nicht so restlos überzeugen, aber die Gründe dafür sind persönliche Geschmacksfragen. Ich will im Kino meistens emotional mitleben. Die Strategie des beobachtenden Erzählens, die gerade im österreichischen Arthousekino oft vorkommt (und ich denke auch in der sogenannten Berliner Schule, von der ich aber schlichtweg zu wenig Filme kenne weil die hier in Österreich of gar nicht anlaufen), das beobachtende Erzäheln also lässt mich und meine Kinobedürfnisse oft zu sehr außen vor. Und auch bei STILLLEBEN hatte ich manchmal Schwierigkeiten die Figuren nachzuvollziehen, weil ich zu sehr auf Distanz geblieben bin.
Ein anderer Grund mag darin liegen, dass der Film sehr stark sein Anliegen vertritt, nämlich die Frage wie man mit Menschen mit pädophilen Gedanken umgeht die aber noch nicht zu Tätern wurden, aber potentiell welche sind. Wie frei dürfen Gedanken sein? Wie gehen Angehörige damit um? Welche Handhabe hat man gegen ein Verbrechen das noch nicht begangen wurde? Ich finde das sehr spannend, weil ich es bis dato so noch in keinem Film gesehen habe. Hier hatte ich aber ab und an das Gefühl dass sich teilweise das Anliegen unabsichtlich stärker in den Vordergrund gedrängt hat als die Geschichte und die Komplexität der Figuren. Aber wie gesagt, das sind persönliche Geschmacksfragen und die ändern nichts daran dass das Thema an sich spannend und der Schluss sehr gut gelöst ist.
Disclaimer: Ich hatte einmal das Treatment des Autors Thomas Reider auf meinem Tisch, aber das ist mehr als fünf Jahre her und die Geschichte war damals noch sehr anders (und die Zusammenarbeit zwar wegen der Rahmenbedingungen kurz, aber schön). Deswegen habe ich diesen Disclaimer auch nicht oben vor meine Gedanken zum fertigen Film hingeschrieben. Aber gesagt haben wollte ich es doch.
Die Filmemacherin Marie Losier sagt am Anfang dass sie eigentlich einen Musikfilm machen wollte aber dass es dann sieben Jahre dauerte bis der Film fertig wurde, und am Ende ging es um die Geschichte einer großen Liebe – eben THE BALLAD OF GENESIS AND LADY JAYE.
Ich kenne mich ja mit Musik nicht aus und weder Genesis P. Orridge noch Psychic TV sagten mir vor diesem Film etwas. Deswegen war ich dann doch ganz froh dass die Dokumentation über gewisse Strecken die (Musik-) Geschichte der Industrial-Szene streift. Im Mittelpunkt steht aber Genesis P. Orridge, und zwar eher die Privatperson, die unter anderem im Archiv im Keller seines Hauses herumalbert und Verstecken spielt oder erzählt dass er zum Abwaschen gern Spitzenunterwäsche und Makeup trägt.
Und natürlich wird wie angekündigt die Liebe zwischen Genesis und Lady Jaye erzählt, von ihrem Kennenlernen in einem Dominastudio über das Zusammenziehen bis zum gemeinsamen Performen. Genesis erzählt dass die beiden keine gemeinsamen Kinder haben sondern das Geld in Schönheits-OPs investieren um sich ähnlicher zu schauen. Das Leben und die Liebe als chronisches Kunstprojekt. Dass dieses Konzept kein bloßer flüchtiger Gedanke ist wird spätestens am Schluss klar als Jaye gestorben ist und man eine Großaufnahme von Genesis’ Gesicht sieht, in dem eben durch die Operationen einiges von Lady Jaye über ihren Tod hinaus erhalten bleibt. Dieser beiläufige Moment hat sich bei mir eingeprägt.
Was ich etwas schade fand war dass Lady Jaye in dem Film kaum eine Rolle spielte. Man sah sie zwischendurch, man sah die beiden gemeinsam, aber ihre Seite der großen Liebe blieb letztlich ausgespart. Klar ist Genesis P. Orridge fürs Marketing das Zugpferd, und man weiß auch nicht ob es nicht Gründe dafür gab, vielleicht wollte sie ja bewusst Genesis das Feld überlassen. Aber ich hätte trotzdem gern mehr von Lady Jaye gesehen.
Auf dem Programm stehen zwei Filme des britischen Filmemachers Ben Rivers (von dem ich später noch einen weiteren Filma uf dem Programm habe).
SACK BARROW ist die Beobachtung einer Fabrik in der etwas hergestellt wird das man nicht erkennen kann. Es wird galvanisiert, Metall in Chemie getaucht, es dampft, die Maschinen arbeiten, und die arbeitenden Menschen singen ab und zu aus dem Radio mit. Dazwischen sieht man immer wieder Centerfolds mit Bikinimädchen. Die altmodische Fabrik ist das Gegenteil von klinisch sauber und hat etwas von einer Hexenküche, sie trägt ein Geheimnis in sich. Und die Bilder mit denen Ben Rivers diesen Mikrokosmos abbildet sind satt, farbenprächtig und trotzdem mysteriös. Ein zwar esoterisches (also jetzt im Sinn von “nur Eingeweihten wirklich verständliches”) aber schönes Experiment.
Der zweite Film ist etwas länger und heißt SLOW ACTION. Ben Rivers bekam im Darwinjahr den Auftrag etwas zum Thema zu machen und entschloss sich auf vier Inseln zu fahren die er schon immer besuchen wollte. Über den Bildern liegt ein Text der uns glauben macht es würden exotische Völker mit merkwürdigen Riten dort leben. Die ersten drei Kapitel sind menschenfrei, und Lanzarote wird ohne Touristen zu einer Sci-Fi Wüstenlandschaft. In Tuvalu sieht man menschliche Hinterlassenschaften (Müll etc.), und am Merkwürdigsten ist die verlassene japanische Insel Gunkanjima. Was es mit dieser künstlichen Betoninsel auf sich hat kann man in Wikipedia nachlesen. Erst im letzten Kapitel sieht man Menschen, die skurrile Masken tragen udn sich auf der fiktiven Insel “Sumerset” seltsamen Ritualen hingeben.
Mich faszinieren ja seit jeher ausgedachte Parallelwelten, vor allem wenn sie eine fiktive Kulturanthropologie beinhalten. Und da hat mir vor allem das letzte Kapitel mit dem ausgedachten Urvolk gefallen. Und ich bin schon gespannt auf den anderen Film von Ben Rivers den ich bald sehen werde.
So, der erste Tag an dem drei Filme hintereinander dran sind. Es beginnt mit SONNENSYSTEM von Thomas Heise, einer Dokumentation über ein Dorf im argentinischen Hochland. Dort wird alles noch so gemacht wie vor etwa 100 Jahren: Leder bearbeitet, Tiere geschlachtet, Rinder mit Brandzeichen versehen, rituelle Umzüge über die Felder gemacht. Einmal wird ferngesehen, aber das geht nur weil dafür der Generator angeworfen wird.
Der Film beobachtet zuerst die Landschaft, dann das Dorf und seine Menschen. Es gibt lange Einstellungen, niemals einen Off-Kommentar, und es gibt keine Interviews. Die Einstellungen sind lang, die Tonspur meistens ruhig. ich merke dass ich manchmal ein bisschen ungeduldig werden, aber das liegt auch daran dass aus irgendeinem Grund ständig jemand im Publikum mit einem Plastiksackerl raschelt (doch dazu später in einem eigenen Posting mehr). Trotzdem nimmt mich der Film immer wieder gefangen, und zwar auch wegen der klugen Kameraführung. Mehrmals dreht sich die Kamera um 180 Grad, und man denkt zuerst “Na gut, Landschaft”, aber dann kommt ein Pferd oder ein Mensch ins Bild, und plötzlich wird aus der Landschaft ein durchkomponiertes Geschehen. Sehr spannend.
Ganz am Ende als man es schon nicht mehr erwartet macht der Film eine neue Ebene auf, und die fand ich atemberaubend. ACHTUNG SPOILER: Man sieht die Dorfbewohner bepackt über Stock und Stein und durch Wasser gehen und in einem Bus wegfahren. Dann kommt eine lange Einstellung mit dem einzigen Musikeinsatz im ganzen Film (eine moderne Version des Dies Irae), in dem man an nicht enden wollenden Slumhütten vorbeifährt. Ein Kontrast der stärker nicht sein könnte und ein Bild das ohne Erklärung zeigt wie vergänglich das ist was ich die ganzen 95 Minuten davor gesehen habe.
Ich wäre insgesamt mit weniger als 100 Minuten Spielzeit auch gut zurande gekommen, aber diese Wendung am Schluss war es wert, denn die ist wirklich erstaunlich. Einer der Kameramänner war übrigens René Frölke, dessen Film DIE FÜHRUNG ich vor einigen Tagen gesehen habe.
Heute nur ein Film, man muss ja auch mal arbeiten, dafür morgen dann drei. Auf dem Programm stand MARTHA MARCY MAY MARLENE. Meine Bürokollegin hatte den Film schon auf einem Festival gesehen und ihn gut gefunden. Und tatsächlich – die jüngste der Olsen Geschwister Elizabeth spielt die Hauptrolle und hat mit diesem Film zwar sicherlich nicht so viel Geld gemacht wie ihre Zwillingsschwestern, aber dafür beweist sie ordentlich Talent.
Die Geschichte ist schlicht (Mädchen flüchtet sich aus Kommune mit gehirnwaschendem Anführer zu ihrer älteren Schwester), die Umsetzung arthouse-typisch. Die Schnitte zwischen den beiden Zeitebenen (Zeit in der Kommune vs. Zeit nach der Flucht bei der Schwester) führen das Publikum gerne an der Nase herum. Manchmal nervt das weil der Film herzeigt wie clever er sein will, aber ab und zu funktioniert das erschreckend gut.
Besonders aufgefallen ist mir die Fokussiertheit von John Hawkes (das war der Schuhverkäufer in ME AND YOU AND EVERYONE WE KNOW). Er spielt den Kommunenhäuptling mit einer solchen verführerischen Präzision, dass man sich nicht wundert wenn ihm die Mädchen scharenweise folgen. Die Leichtigkeit mit der er die Gehirnwäsche durchführt und die Brutalität seiner Rituale um die Mädchen dann an sich zu binden, und das alles in ganz wenigen und kurzen Szenen – großartig.
Trotzdem hat mich der Film nicht so restlos überzeugt. Ich fand darin wenig das nicht in anderen Arthousefilmen dieses Kalibers schon gesehen hätte (WENDY AND LUCY schafft da manches noch konzentrierter). Das mag aber auch daran liegen dass bei mir der Filmfestivaleffekt schön langsam zuschlägt – je mehr Filme ich in der kurzen Zeit sehe umso strenger werde ich. Mal sehen was ich morgen schreibe, nachdem ich drei Filme hintereinander gesehen habe.