Achtung, der Folgende Link ist ein bisschen versaut und enthält eine Menge “Dirty Talk”, deswegen ist das nicht unbedingt was für Arbeitsplätze mit strengen Chefs und Internetüberwachung!
Es geht nämlich um Folgendes: Was zum Teufel redet man im Bett? Also wenn zwei Menschen Sex haben, um genau zu sein. Meistens redet man gar nichts, das stimmt schon. Aber wenn ich so auf diese Website blicke, dann eröffnen sich ungeahnte Dialogmöglichkeiten. (Vor allem für Komödien.)
>> Said In Bed.
Altiplano, der neue Film von Peter Brosens und Jessica Woodworth (”Khadak“) wird im Mai beim Filmfestival in Cannes im Rahmen des Wettbewerbs der 48e Semaine de la Critique laufen. Gratulation!
ALTIPLANO (2009 BE/GER/DUTCH); Drama / 109 min. / 35mm / Dolby Digital; Regie und Buch: Peter Brosens und Jessica Woodworth; Mit Jasmin Tabatabai, Magaly Solie, Olivier Gourmet u.a.; Sprachen: Spanisch, Quechua, Englisch, Französisch, Farsi.
Britische Sitcoms ist ein Weblog von Oliver Nagel in dem es nicht nur über britische Sitcoms, sondern auch amerikanische Serien geht, und so weiter. Das Glossar ist übrigens sehr empfehlenswert.
(Gefunden habe ich es übrigens nach der brancheninternen Buschtrommelmethode, und die geht so: Gestern auf einer Geburtstagsfeier erwähnt ein Producer den Autor Murmel Clausen, den ich daraufhin google, was sein Weblog zu Tage fördert, in dem wiederum auf obiges Blog verlinkt wird. Murmel Clausen schreibt im übrigen offensichtlich gerade an einer Sitcom für den ORF, in dem Roland Düringer und Christian Tramitz als “Gipfelzipfler” die Volksmusikszene aufmischen. Ich bin schon gespannt.)
How to write action lines ist offenbar das große Thema in den amerikanischen Drehbuchweblogs. Das ist gut, da können wir was lernen.
John August hat nach seinem ersten Screencast nun einen weiteren online gestellt, in dem man sehr schön sieht, was der Unterschied zwischen einer nüchternen Beschreibung der Szene und einer filmischen Formulierung ist, die einen in die Geschichte hineinzieht.
Außerdem wird hier die Technik der “Parallel Action” erklärt (so nennt es John August, der deutsche Terminus Technicus wäre vielleicht “Satzellipsen”): Kurze, abgehackte Sätze, in denen das Subjekt ausgelassen wird, um damit einen stärkeren und mitreßenden Rhythmus zu erzeugen. Ich kenne übrigens einen Autor, der genau das nicht nur für Actionszenen einsetzt, sondern manchmal auch für höchst emotionale Szenen. Das funktioniert erstaunlich gut.
Aber auch Julie Grey hat auf The Rouge Wave einen langen Artikel über Action Lines geschrieben. Darin geht sie ebenfalls auf den Unterschied zwischen nüchterner Beschreibung und filmischem Stil ein. Und beantwortet die Frage, warum man das überhaupt tun soll, schließlich wird ja das Drehbuch letztlich verfilmt und nicht gelesen: “Because they will be READ, that’s why.” Genau. Und zwar wird das Drehbuch unter anderem von all denen gelesen, die am Ende ein paar Millionen(!) Euro hergeben, damit aus den paar Worten auf weißem Papier ein Film wird. Dafür kann man sich eigentlich schon ein bisschen bemühen, oder?
Danach schreibt sie noch darüber, dass man es nicht übertreiben soll mit den Beschreibungen. Stimmt. (Auch mit den “literarischen” Beschreibung nicht, bitte schön. Und nicht mit Dingen, bei denen man sich fragen wird: Aber wie wird man das dann im Film sichtbar machen? Das passiert im Überschwang nämlich auch manchmal.)
Eines kann ich noch aus eigener Erfahrung anfügen: Autorenfilmer tendieren dazu, viel zu wenig zu beschreiben, vor allem was die emotionalen Reaktionen der Figuren betrifft. Wenn ich dann nachfrage, bekomme ich meistens als verwunderte Antwort: “Ja aber das inszeniere ich ja dann eh!”. Think twice, stupid. Bevor du das nämlich verfilmen kannst, müssen es eine Menge Leute LESEN. ProduzentInnen, LektorInnen, DramaturgInnen, RedakteurInnen, Filmförderer. Und von denen hängt es ab ob dein Film gemacht wird. Also kommt uns, den LeserInnen, ein bisschen entgegen. Dankeschön.
Hier gibt es Drehbücher zu Pilotfolgen einer Menge amerikanischer TV Serien wie X-Files, Monk, Lost, Pushing Daisies, 24, Dexter, Mad Men und so weiter. Also: Gehet hin und leset!
Und für die totalen Fanatiker gibt es hier die Links zu drei Drehbüchern aus der tollen Serie The Wire, darunter zum Pilotfilm. Und als Draufgabe gibt es dort auch noch den Link zum Pitch samt Bibel. Finde ich ja spannend, wie das verkauft wird: Zuerst beschreibt man, was an der Idee das Gewohnte ist (”a cops-and-players story that exists within the same vernacular as other television fare”), und dann erst wird darauf eingegangen, was die Show so besonders macht und sie von den anderen abhebt. Das bestätigt wieder die These, dass man beim Fernsehen auf keinen Fall das Rad neu erfinden sollte, sondern besser etwas sehr Bekanntes nimmt, und innerhalb dessen dann die Grenzen bis zum Extrem auslotet.
Wer “The Sound Of Music” nicht kennt, sollte das unbedingt ändern. Ich sage nur: Vorhangkleider und singende Nonnen!
(Das Video oben ist eine virale Marketingaktion eines belgischen Senders, der für eine Castingshow wirbt, in der eine Maria von Trapp Darstellerin gesucht wird. Gefunden bei Joshua James.)
In der Kolumne “Book vs. Screen” geht es um den Vergleich von Filmen mit ihren literarischen Vorlagen. Die Filmauswahl ist interessant, sie reicht von “Who Framed Roger Rabbit?” über “Atonement” bis hin zu dem schwedischen Roman “Let the Right One In”.
Gerade neulich habe ich “Slumdog Millionaire” gesehen - und Lust auf das Buch bekommen, das sich angeblich komplexer als der Film gestaltet. Nicht, dass ich nicht gerührt gewesen wäre am Ende und so, aber die Geradlinigkeit, mit der die Geschichte im Kino von A nach B rast, quasi Autobahn, die hat mich ein wenig irritiert. Manchmal bin ich ja doch für das Fahren auf kurvigen die Nebenstraßen. Dort sieht man mehr von der Landschaft, und es gibt Unterführungen, Kreuzungen und kleine Forstwege nebenbei.
Ich wollte schon länger etwas schreiben über die Szenenbeschreibung in einem Drehbuch, also über das, was in einer Szene nicht Dialog ist sondern die Beschreibung der Handlung. Da ich in letzter Zeit wieder mehr lektoriere, lese ich viel mehr unterschiedliche Stoffe und habe eine gewagte These entwickelt:
Allein mit gut formulierten Szenenbeschreibungen kann man ein Drehbuch um 10 bis 20% verbessern. Manchmal sogar um 25%.
Warum ich diesen Beitrag nicht schon vorher geschrieben habe, hängt mit meiner Faulheit zusammen, weil man das alles ohne Beispiele so schwer erklären kann. Aber jetzt hat John August einen Screencast gemacht, in dem er live eine Szene umschreibt, wo man viel von dem erkennen kann, was eine gute Szenenbeschreibung ausmacht:
Keine passive, aufzählende und beobachtende Beschreibung der Situation, sondern die Beschreibung in eine aktive Handlung der Figur integrieren. Wir erleben die Szene MIT der Figur, so wie im Film später auch.
Keine Kamerabewegungen sowie detaillierte Beschreibungen von Bühne, Kostüm und Requisiten. Dafür gibt es Spezialisten am Set, die auch ihren Job machen wollen. Nur das nötigste beschreiben, und zwar so, dass die Atmosphäre der Situation spürbar gemacht wird. Das ist wichtiger als die Farbe des Tischtuchs (außer ein rotes Tischtuch ist elementar für den Plot, weil in ihm das Geld versteckt ist, dem die Gauner hinterher sind. Oder sowas eben.)
Keine überflüssigen langatmigen Beschreibungen von Dingen, die nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben, sondern nur den Fluss der eigentlichen Szene unterbrechen.
Nicht zuerst fünf Zeilen lang den Raum beschreiben und dann erst die Figur und was sie in dem Raum tut. (Das ist eine klassische Theaterstückschreibe.) Im Film wird man alles gleichzeitig wahrnehmen. Das Bild wird im Film nicht einfrieren, damit ich mich umsehe. Ein Ziel des Drehbuchs ist, dass man bereits beim Lesen den Film erlebt - und keine trockene Theorie davon.
Und so weiter und so fort. Aber weil das eben so schwer zu beschreiben ist, bitte hier den Clip dazu anschauen.
Vielleicht finde ich noch ein paar Beispiele, dann gibt es einen zweiten Teil dieses Beitrags.
Hier gibt es ein Interview mit den Drehbuchautoren Ted Elliott und Terry Rossio, die Pirates Of The Caribbean geschrieben haben, aber auch Shrek und weitere bekannte Filme. Außerdem betreiben sie die Seite Wordplay, eine Fundgrube über Drehbuchhandwerk, Insiderwissen etc..
Sehr empfehlen kann ich übrigens auch den Audiokommentar der beiden auf dem ersten Teil von Pirates Of The Caribbean - eine wahre Lehrstunde über das Drehbuchschreiben. Es ist einer der besten Audiokommentare, die ich kenne. (Der Audiokommentar, der mich am meisten enttäuscht hat, war übrigens der auf der DVD von Harry und Sally. Schade.)