19.10.’11
Meine Schwester
20.15h, ORF2
Archive for September, 2008
Scriptalicious to the rescue!
Thursday, September 4th, 2008Das nenne ich Berufskrankheit. Wenn mir nämlich am Abend beim Fernsehen die dramaturgische Schwäche einer Waschmittelwerbung auffällt. Und die geht so: Am Anfang sieht man einen kleinen Jungen und ein kleines Mädchen. Der Junge hat ein Hemd an und sagt, dass er das Hemd nicht mag. Das Mädchen hat die brillante Idee, das verhasste Hemd mit Flecken einzusauen, die ganz bestimmt nieeee wieder rausgehen (Gras, Erde und so Zeug). Die Mutter ist ob des versauten Hemdes zuerst tatsächlich etwas verstimmt, aber dann hat sie die Lösung: Vanish Oxi Action! Und voila – das Hemd ist wieder sauber. Und am Ende staunt sogar der kleine Junge.
Hier kommt das Problem: So wie die Geschichte erzählt wird, ist der Hemd-Konflikt des kleinen Jungen der Hauptplot, die Mutter ist darin quasi die Antagonistin. Der Knackpunkt ist nun, dass dieser Hauptplot nicht aufgelöst wird, und dass die Antagonistin als Siegerin dasteht und zur Hauptfigur wird, was den Zuseher unbefriedigt zurücklässt. Es fehlt das Pay-Off für die Problemstellung am Anfang. Der Plan des Jungen ist nicht aufgegangen, und nun? Dabei gäbe das eine nette Pointe am Ende ab. Der Junge und das Mädchen könnten einen weiteren Flecken-Plan aushecken, aber dann am Ende kommt der Claim: Vanish Oxi Action – schafft alle Flecken. Oder so etwas ähnliches.
(Hätten die mal bloß mich gefragt…)
Nochmals gesehen: The Dark Knight
Wednesday, September 3rd, 2008Achtung, wer “The Dark Knight” noch nicht gesehen hat, möge bitte jetzt zu lesen aufhören, ich verrate im Folgenden einiges.
Gut, jetzt bin ich soweit. Nach dem ersten Mal hatte ich ja nur so ein diffuses Gefühl, dass alles zu viel wäre: Zu oft auf das emotionale Thema gedrückt, zu oft die Handlung herumgerissen, zu viele Verfolgungsjagden, an deren Ende Batman wieder jemanden am Leben lässt, zu viele Filmminuten.
Jetzt wo ich das große Bild ansatzweise erkennen kann, ist es immer noch sehr viel, das alles, aber vieles macht Sinn. Die Geschichte ist trotz ihrer Länge sehr kompakt. Das liegt wohl an dem einen großen emotionalen Thema, das immer wieder durchdekliniert wird. Was ist moralisch gut, was ist böse, und wer bewertet das? Was geschieht, wenn man Gutes will und Böses schafft? Wie reagiert man auf jemanden, der absolut nichts mehr zu verlieren hat und dadurch alle moralischen Grenzen mit einem Lachen sprengen kann? Der immer einen Schritt voraus ist, weil er genau weiß, welche Regeln sich die Menschen durch Moral und Werte auferlegen, und wie das ihre Aktionen lenkt.
Bereits in der Eröffnungssequenz ist das ein Thema: Jokers Helfer dezimieren sich gegenseitig, indem sie Beffehle ausführen und nicht wissen, dass sie dabei selbst Opfer weiterer Befehle sind. Und im weiteren Verlauf des Films muss fast jede Figur mindestens einmal eine Entscheidung treffen: Überschreite ich die moralische Grenze oder halte ich mich an meine eigenen Regeln?
Das scheint überhaupt das beliebteste Thema des thematischen 9/11-Aftermath zu sein: Wer ist gut, wer ist böse, und wem kann man trauen? Nichts ist mehr wie es scheint, die gewohnten moralischen Kategorien greifen nicht mehr, und auch die Methoden überschreiten alle Grenzen. Das hat letztes Jahr auch James Bond: Casino Royale bewiesen (ganz zum Schluss gibt es noch mindestens zwei Plotpoints, die die Motive und die moralischen Werte von Verper Lind umdrehen, und auch davor ist das schon Thema), und V vor Vendetta hat sogar den Spieß umgedreht, indem die Terroristen gewinnen (aber natürlich gegen den bösen Tyrannen. Trotzdem eine sehr interessante Variation des Themas in einer teuren Hollywoodproduktion.)
Ich persönlich bin ja sehr erfreut über diese Entwicklung. Denn sie macht die Filme härter und realer. Im echten Leben ist eben leider auch oft alles anders als es scheint, und das mit dem Vertrauen ist ja ohnehin so eine Sache. Und endlich ist diese Erkenntnis auch bei den Protagonisten der ganz großen Hollywood Blockbuster angekommen, und ich genieße das sehr. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, denn wenn man sich gerade im Plot zurechtgefunden hat und endlich weiß, wer auf welcher Seite steht, kommt der nächste große Twist und – What the f…! – alles ist anders.
Aber dass man sich in diesen Filmen solcher Themen annimmt und die Figuren sich daran abarbeiten müssen, finde ich wirklich gut. Und The Dark Knight hat da ganz Besonderes geleistet.
Edit: Mir fällt gerade noch etwas zu The Dark Knight ein: Es ist natürlich ein sehr kluger Schachzug, dass man den tiefen Fall von Harvey Dent zu Two-face vorgeführt bekommt. Denn mit dem Joker hat man eine Figur, die einfach so ist, wie sie ist: Ein Psychopath, irrational und nicht nachvollziehbar. Dem gegenüber hat man in Harvey Dent eine Figur, die man versteht, und die am Ende als Two-Face dort ist, wo sich der Joker befindet. Man kann dadurch nachvollziehen, wie jemand so wird wie der Joker. Das ist ein wirklich guter dramaturgischer Trick.
European Screenwriters
Monday, September 1st, 2008Bin auf der Suche nach einem bestimmten Artikel über Ingmar Bergman zufällig auf folgenden Link gestoßen:
Spannend ist zum Beispiel die Seite mit Videos von Interviews mit Regisseuren wie Bergman, Besson und Pasolini. Und auch der ganze Rest ist es wert, geklickt zu werden.
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